Ein Beitrag bei Facebook kann viele Menschen erreichen. Er gehört Ihnen trotzdem nicht. Sie haben dort keinen kleinen digitalen Vorgarten gekauft. Sie dürfen den Platz benutzen, solange die Plattform ihn Ihnen zu ihren Bedingungen überlässt.
Heute möchte der Algorithmus kurze Videos. Morgen vielleicht lange Texte. Übermorgen sollen womöglich alle vor einer Zimmerpflanze stehen und bedeutungsvoll auf eingeblendete Wörter zeigen. Unternehmen können dieses Spiel mitspielen. Manchmal lohnt es sich sogar. Nur sollte niemand den Spielplatz mit dem eigenen Grundstück verwechseln.
Das Gedächtnis gehört ins eigene Haus
Ich sehe Betriebe, die seit Jahren regelmäßig in sozialen Netzwerken veröffentlichen. Neue Projekte, gute Erklärungen, Einblicke in die Arbeit. Auf der eigenen Webseite steht währenddessen noch der Hinweis auf das Sommerfest von 2021. Wer das Unternehmen über Google findet, landet nicht in der lebendigen Gegenwart, sondern in einer kleinen digitalen Zeitkapsel.
Das ist verschenkt. Ein guter Inhalt sollte zuerst einen festen Platz auf der eigenen Webseite bekommen. Als Blogartikel, Projektseite oder kurze Meldung. Danach kann er zu Facebook, Instagram, LinkedIn oder wohin auch immer verteilt werden. Die Plattform bringt Aufmerksamkeit. Die Webseite bewahrt den Zusammenhang.
Lockruf gibt es seit 2002. In dieser Zeit sind Plattformen groß geworden, abgestürzt, umbenannt worden oder plötzlich nur noch für eine ganz andere Art von Inhalt interessant gewesen. Die eigene Adresse ist geblieben. Das ist nicht besonders aufregend. Genau deshalb ist es wertvoll.
Mir sind hundert Leser auf einer Seite, die mir gehört, oft lieber als tausend flüchtige Reaktionen irgendwo anders. Das ist weniger spektakulär. Aber morgen ist der Text noch da.
Das Gleiche gilt für einen eigenen Newsletter und eine ordentlich gepflegte Kontaktliste. Vielleicht erzeugt beides an einem Dienstag weniger Herzchen als ein erfolgreicher Beitrag. Dafür kann eine Plattform den Kontakt nicht einfach zwischen zwei Änderungen ihrer Geschäftsbedingungen verschwinden lassen.
Ein Artikel auf der eigenen Webseite kann in zwei Jahren noch gefunden, verlinkt und aktualisiert werden. Er steht neben den Leistungen, den Kontaktdaten und weiteren passenden Informationen. Niemand dreht über Nacht die Reichweite herunter, weil ein anderes Format gerade mehr Werbeumsatz verspricht.
Soziale Netzwerke sind nicht der Feind. Sie sind gemietete Veranstaltungsräume. Man kann dort gute Abende haben und viele Menschen treffen. Seine wichtigsten Unterlagen würde man trotzdem nicht im Saal liegen lassen, wenn der Vermieter am nächsten Morgen die Tür abschließt. Wer nur leiht, sollte wenigstens wissen, wo der eigene Schlüssel liegt.

