Niemand baut eine Beziehung zu einem Farbverlauf auf. Auch nicht zu einer besonders geschmackvollen Schriftkombination. Eine Startseite kann sympathisch wirken, neugierig machen und die Tür öffnen. Mehr sollte man ihr emotional nicht aufladen. Sie ist eine Webseite. Sie wird Weihnachten nicht anrufen.
Ich kann eine gute Webseite bauen. Ich kann nicht dafür sorgen, dass danach jemand ans Telefon geht, Zusagen einhält oder freundlich bleibt. Webdesign kann viel. Zaubern gehört nicht dazu.
Trotzdem soll sie Vertrauen schaffen. So steht es in fast jedem zweiten Briefing. Gelöst wird das gern mit warmen Farben, einem freundlichen Foto und Sätzen wie „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“. Der Mensch steht dort meistens so lange im Mittelpunkt, bis er versucht, jemanden zu erreichen.
Vertrauen wächst nicht aus der Behauptung, vertrauenswürdig zu sein. Es wächst an konkreten Stellen. Ein Ansprechpartner hat einen Namen und nicht nur eine info@ Adresse. Ein Projekt wird nachvollziehbar erklärt und nicht zum großartigen Erfolg erklärt. Die Öffnungszeiten stimmen. Eine angekündigte Antwort kommt. Wenn etwas nicht angeboten wird, sagt das Unternehmen es, bevor der Kunde drei Formulare ausgefüllt hat.
Ich habe viele schön gestaltete Webseiten gesehen, bei denen trotzdem kein Mensch erkennbar war. Leistungen, Qualitätsversprechen, Stockfotos, Kontaktformular. Alles vorhanden. Nur blieb vollkommen offen, wer eigentlich den Hörer abnimmt und was nach dem Absenden passiert. Das ist keine Nähe. Das ist ein gut beleuchteter Empfang ohne Personal.
Besonders merkwürdig wird es auf Über-uns-Seiten, auf denen über mehrere Absätze von Werten und Leidenschaft gesprochen wird, aber kein Name auftaucht. Man erfährt, dass das Unternehmen gemeinsam, lösungsorientiert und mit voller Begeisterung arbeitet. Mit wem man am Montag telefoniert, bleibt Geschäftsgeheimnis.
Ein echtes Foto ist dabei nicht automatisch die Lösung. Auch ein Gesicht kann Dekoration sein. Menschlich wird eine Webseite dort, wo jemand erkennbar Verantwortung übernimmt: Dafür bin ich zuständig. So läuft es ab. Bis dann melde ich mich. Das sind keine warmen Worte. Das sind überprüfbare Zusagen.
Die Webseite ist deshalb nicht die Beziehung. Sie bereitet sie vor. Sie kann Unsicherheit verringern, Erwartungen ordnen und den ersten Schritt leichter machen. Danach muss die Wirklichkeit übernehmen. Wenn der Rückruf ausbleibt, hilft auch die freundlichste Überschrift nicht mehr.
Das ist vielleicht die unangenehmste Wahrheit über gutes Webdesign: Es kann ein Unternehmen glaubwürdig zeigen. Es kann Glaubwürdigkeit aber nicht für das Unternehmen erledigen.
Eine gute Startseite öffnet die Tür. Ob jemand gern wiederkommt, entscheidet sich dahinter.

