Eine zusätzliche Kachel ist schnell gebaut. Ein weiterer Menüpunkt ebenfalls. Noch eine Leistung, noch ein Gütesiegel, noch ein Satz über Qualität. Webseiten werden selten mit einem großen Knall unübersichtlich. Sie werden es in vielen kleinen, jeweils vollkommen vernünftigen Entscheidungen.
Das Gemeine daran: Von innen fühlt sich jede Ergänzung wichtig an. Der Vertrieb möchte sein Angebot auf der Startseite. Die Geschäftsführung möchte die Firmengeschichte nicht verstecken. Jemand hat viel Geld für ein Zertifikat bezahlt, also muss es weit nach oben. Am Ende ist alles wichtig und deshalb nichts mehr zuerst.
Weglassen ist keine Faulheit
Wenn eine Webseite selbstverständlich wirkt, war vorher meistens ziemlich viel Denken nötig. Der Besucher sieht eine klare Überschrift, wenige verständliche Wege und einen nächsten Schritt. Was er nicht sieht, sind die verworfenen Varianten und die Diskussion darüber, welche Information warten darf.
Ich kann länger über sechs gute Begriffe für eine Navigation nachdenken als über den Bau der Navigation selbst. Technisch ist ein Menü schnell angelegt. Inhaltlich ist es unangenehm, weil man Entscheidungen treffen muss. Was gehört zusammen? Welche Bezeichnung versteht ein Außenstehender? Und welcher lieb gewonnene interne Begriff fliegt raus, obwohl er seit zwölf Jahren in jeder Broschüre steht?
Komplexität ist billig. Klarheit kostet.
Das berühmte „Das kann doch auch noch mit drauf“ ist deshalb einer der teuersten Sätze in einem Webseitenprojekt. Nicht unbedingt auf der Rechnung. Bezahlt wird später mit Unübersichtlichkeit. Jede Ergänzung schiebt etwas anderes nach hinten, macht Wege länger und nimmt einer wichtigeren Aussage Platz weg.
Ich misstraue inzwischen jedem Satz, der mit „Das kann doch noch schnell mit drauf“ beginnt. Schnell ist meistens nur das Draufpacken. Das spätere Aufräumen bezahlt niemand gern.
Das gilt auch für Formulare. Fünfzehn Felder sind schnell eingefügt. Vier wirklich notwendige Felder zu bestimmen, verlangt Nachdenken. Eine Leistungsseite mit allem, was das Unternehmen jemals getan hat, ist leicht zu füllen. Eine Seite, die einem neuen Kunden zuerst das Richtige erklärt, braucht Auswahl.
Ein brauchbarer Maßstab lautet: Braucht der Besucher diese Information genau hier für seine nächste Entscheidung? Wenn nicht, muss sie nicht verschwinden. Sie braucht nur einen anderen Platz. Das ist keine Verstümmelung des Angebots. Es ist eine Reihenfolge.
Am Ende soll niemand die Reduktion bewundern. Der Besucher soll einfach verstehen, finden und weitermachen können. Wenn das mühelos aussieht, hat vorher wahrscheinlich jemand die Mühe übernommen.

