Manche Webseitenprojekte beginnen mit einer Kontaktseite und enden gedanklich bei einer digitalen Raumstation. Erst soll nur das Angebot verständlich dargestellt werden. Dann wäre ein Kundenbereich schön. Danach kommen ein Konfigurator, ein Chat, drei Schnittstellen und die Idee hinzu, dass Besucher ihre Bestellung künftig in einer dreidimensionalen Werkstatt zusammenstellen.
An diesem Punkt fehlt eigentlich nur noch eine freundliche Bordcomputerstimme. Das ursprüngliche Problem ist derweil noch immer nicht gelöst: Auf der alten Webseite findet niemand die Telefonnummer.
Die Hälfte der Funktionen in manchen Wunschlisten ist Angst in Tabellenform. Der Mitbewerber hat einen Chat. Auf einer Messe hat jemand von einem Kundenportal erzählt. Eine neue Erweiterung verspricht künstliche Intelligenz für fast alles. Niemand möchte mit einer zu kleinen Lösung dastehen, also wird vorsichtshalber angebaut.
Ich liebe Technikspielereien. Wirklich. Gerade deshalb muss ich mich gelegentlich daran erinnern, dass mein Spaß an einer Funktion noch kein Geschäftsmodell für den Kunden ist.
Drei ungemütliche Fragen
Wer wird die Funktion wirklich benutzen? Welches konkrete Problem löst sie? Und wer kümmert sich später darum? Die dritte Frage beendet erstaunlich viele Raumfahrtprogramme.
Ein Veranstaltungskalender ist nur nützlich, wenn jemand Termine einträgt. Ein Chat hilft nur, wenn jemand antwortet. Ein Kundenbereich braucht Inhalte, Rechte, Pflege und Unterstützung, sobald das erste Passwort nicht funktioniert. Die Funktion selbst ist meistens der einfache Teil. Der Alltag danach kostet.
Vor dem Bau einer neuen Funktion sollte deshalb nicht nur ihr Name im Konzept stehen. Daneben gehört der Name der Person, die sie in sechs Monaten pflegt. Bleibt dieses Feld leer, ist das keine Kleinigkeit für später. Es ist eine ziemlich präzise Vorschau auf eine veraltete Funktion.
Für einen regionalen Dienstleister können eine klare Leistungsübersicht, gute Beispiele und ein verlässliches Formular vollkommen ausreichen. Das ist keine kleine Lösung. Es ist eine passende. Ein aufwendiger Konfigurator bringt wenig, wenn jede Anfrage am Ende ohnehin individuell besprochen werden muss.
Eine Webseite darf technisch anspruchsvoll sein. Sie darf Funktionen haben, die Arbeit sparen oder ein Angebot überhaupt erst möglich machen. Aber die Anzahl der Funktionen ist kein Maß für Qualität. Manchmal ist sie nur ein Maß dafür, wie oft während der Planung niemand Nein gesagt hat.
Zum Mond zu fliegen ist großartig, wenn man zum Mond möchte. Wer nur zuverlässig nach Baunatal muss, braucht kein Raumfahrtprogramm. Erst das Ziel, dann die Rakete. Das spart Treibstoff und Nerven.

