5. Juli 2026

Erreichbarkeit ist noch kein Kundenservice

Ich habe selbst schon Mails zu Uhrzeiten beantwortet, zu denen vernünftige Menschen längst schlafen. Das fühlt sich im ersten Moment nach besonderem Einsatz an. Sehen Sie her, Lockruf wacht noch. Am nächsten Morgen wirkt dieselbe Mail manchmal weniger heldenhaft. Dann sieht sie eher nach jemandem aus, der sein Postfach nicht in Ruhe lassen konnte.

Wer morgens um sechs antwortet und nachts um elf noch eine Datei schickt, kann sehr fleißig sein. Gut betreut ist der Kunde deshalb noch lange nicht. Vielleicht hat er nur gelernt, dass jederzeit irgendeine Nachricht kommt, aber niemand zuverlässig sagen kann, wann die Sache wirklich erledigt ist.

Die falsche Messlatte

Reaktionsgeschwindigkeit ist leicht zu messen. Nachricht um 10.03 Uhr, Antwort um 10.11 Uhr. Acht Minuten. Beeindruckend. Ob die Antwort hilfreich war, ob sich jemand verantwortlich fühlt und ob die angekündigte Lösung am Donnerstag tatsächlich kommt, passt leider in keine so schöne kleine Zahl.

Ein Kunde braucht nicht zwingend nachts eine Antwort. Er braucht eine verlässliche. Ein klares „Ich prüfe das morgen Vormittag und melde mich bis 13 Uhr“ ist mehr wert als drei hektische Zwischenmeldungen, gefolgt von zwei Tagen Stille.

Gerade in kleinen Unternehmen ist dauernde Erreichbarkeit häufig kein Qualitätsmerkmal, sondern ein schlecht getarnter Ausnahmezustand. Der Chef steht beim Kunden, das Telefon klingelt, nebenbei kommen Nachrichten über zwei Messenger und jemand schreibt noch eine Mail mit dem Betreff DRINGEND. Wer alles sofort beantwortet, arbeitet irgendwann nur noch an den Unterbrechungen.

Ich will für meine Kunden erreichbar sein. Ich möchte ihnen aber nicht beibringen, dass gute Betreuung bedeutet, mich jederzeit erreichen zu können. Das wäre für beide Seiten eine ziemlich schlechte Idee.

Guter Service ist unspektakulärer. Zusagen werden eingehalten. Zuständigkeiten sind klar. Wenn etwas länger dauert, erfährt der Kunde es, bevor er selbst nachfragen muss. Und wenn eine Antwort noch nicht feststeht, sagt man genau das. Keine Zauberei. Aber erstaunlich selten.

Dringlichkeit gehört außerdem zur Wahrheit. Wenn eine Webseite nicht mehr erreichbar ist, sieht die Sache anders aus als bei einem Komma im dritten Absatz der Teamseite. Beides kann wichtig sein. Beides muss aber nicht nachts um halb zwölf erledigt werden. Wer alles zum Notfall macht, hat keinen Notfallplan. Er hat nur ständig Alarm.

Wer immer erreichbar ist, hat nicht automatisch besonders guten Kundenservice. Manchmal hat er einfach seine Ruhe verloren. Kunden merken den Unterschied spätestens dann, wenn es wirklich darauf ankommt.

Weitere neue Lockbuch Einträge:

Eine Kundenbeziehung ist keine Kampagne

Die älteste Kundenbeziehung von Lockruf läuft seit fast zwanzig Jahren. Es gab in dieser Zeit keinen magischen Moment, an dem feierlich dauerhaftes Vertrauen beschlossen wurde. Es gab Arbeit. Rückfragen. Änderungen. Gute Ideen, weniger gute Ideen und vermutlich auch Tage, an denen alle Beteiligten lieber etwas anderes gemacht hätten. Fast zwanzig Jahre sind auch nicht ein…
Jetzt lesen Eine Kundenbeziehung ist keine Kampagne

Menschen bauen keine Beziehung zu Ihrer Startseite auf

Niemand baut eine Beziehung zu einem Farbverlauf auf. Auch nicht zu einer besonders geschmackvollen Schriftkombination. Eine Startseite kann sympathisch wirken, neugierig machen und die Tür öffnen. Mehr sollte man ihr emotional nicht aufladen. Sie ist eine Webseite. Sie wird Weihnachten nicht anrufen. Ich kann eine gute Webseite bauen. Ich kann nicht dafür sorgen, dass danach…
Jetzt lesen Menschen bauen keine Beziehung zu Ihrer Startseite auf

Nicht jede Webseite muss zum Mond fliegen

Manche Webseitenprojekte beginnen mit einer Kontaktseite und enden gedanklich bei einer digitalen Raumstation. Erst soll nur das Angebot verständlich dargestellt werden. Dann wäre ein Kundenbereich schön. Danach kommen ein Konfigurator, ein Chat, drei Schnittstellen und die Idee hinzu, dass Besucher ihre Bestellung künftig in einer dreidimensionalen Werkstatt zusammenstellen. An diesem Punkt fehlt eigentlich nur noch…
Jetzt lesen Nicht jede Webseite muss zum Mond fliegen

Geliehene Reichweite bleibt geliehen

Ein Beitrag bei Facebook kann viele Menschen erreichen. Er gehört Ihnen trotzdem nicht. Sie haben dort keinen kleinen digitalen Vorgarten gekauft. Sie dürfen den Platz benutzen, solange die Plattform ihn Ihnen zu ihren Bedingungen überlässt. Heute möchte der Algorithmus kurze Videos. Morgen vielleicht lange Texte. Übermorgen sollen womöglich alle vor einer Zimmerpflanze stehen und bedeutungsvoll…
Jetzt lesen Geliehene Reichweite bleibt geliehen

Ein Hoch auf die Leute, die es unbedingt wissen wollen

Ich kann schlecht an einer technischen Frage vorbeigehen, ohne wenigstens kurz nachzusehen. Das Wort „kurz“ ist dabei gelegentlich optimistisch. Aus einer kleinen Prüfung werden drei geöffnete Handbücher, zwei Testinstallationen und irgendwann die Feststellung, dass draußen verdächtig viele Vögel mit dem Morgenprogramm begonnen haben. Mein „Ich schaue nur kurz“ genießt in meinem Umfeld vermutlich keine besondere…
Jetzt lesen Ein Hoch auf die Leute, die es unbedingt wissen wollen

Einfach sieht nur von außen einfach aus

Eine zusätzliche Kachel ist schnell gebaut. Ein weiterer Menüpunkt ebenfalls. Noch eine Leistung, noch ein Gütesiegel, noch ein Satz über Qualität. Webseiten werden selten mit einem großen Knall unübersichtlich. Sie werden es in vielen kleinen, jeweils vollkommen vernünftigen Entscheidungen. Das Gemeine daran: Von innen fühlt sich jede Ergänzung wichtig an. Der Vertrieb möchte sein Angebot…
Jetzt lesen Einfach sieht nur von außen einfach aus